Wie schön blüht uns der Maien   




Wie schön blüht uns der Maien, 

der Winter fährt dahin!

Mir ist ein schönes Jungfräulein 

gefallen in meinen Sinn.

Bei ihr ja wäre mir wohl! 

Wenn ich nur an sie denke,

Mein Herz ist freudevoll!

Wenn ich des Nachts lieg schlafen, 

Feinsliebchen kommt mir für.

Wenn ich alsdann erwache, 

so ist sie nicht mehr bei mir.

Bringt meinem Herzen Pein! 

Wollt Gott, ich dürfte ihr dienen -

Wie würde mir besser sein.

Bei ihr, da wäre ich gerne! 

Bei ihr, da bliebe ich wohl.

Sie ist mein Morgensterne, 

strahlt mir ins Herz so voll!

Sie hat einen roten Mund – 

tät ich sie darauf küssen,

Mein Herz würde mir gesund.

Ich werfe Rosenblätter 

in Liebchens Fenster ein.

Ei, schlafe oder wache, 

ich möchte bei dir sein!

Das Fensterlein steht auf 

wie bei dem Vogelbauer,

Ich wage mich nicht hinauf.

Wollt Gott, ich fände im Garten 

drei Rosen auf einem Zweig.

Ich wollte auf sie warten – 

ein Zeichen wäre mir's gleich.

Das Morgenrot ist weit, 

es streut schon seine Rosen –

Ade, du schöne Maid!



(engl. Trad/ Caspar Othmayer, C.Brentano & A.v.Arnim)

May Song




May, how splendid it blossoms! 

Winter is over.

A fair maiden 

rules my thoughts.

Oh, how I would like to be with her! 

Simply thinking of her

makes my heart joyfull.

When I lie asleep at night, 

this fair lassie seems to appear.

But as soon as I awake, 

she is gone.

This cuts my heart! 

Oh, it would heal my soul

only to be her servant!

With her I'd like to be, 

with her I would stay.

She is my morning star 

which shines down to the bottom of my heart.

If I were to kiss 

her red lipps,

my heart would be healthy again.

I throw rose-leaves 

through lassie's window.

Asleep or awake, 

I want to be with you!

The window is wide open 

like the door of a bird cage –

I don't dare to climb up.

If I only found three roses in this garden, 

three roses on one stem!

I would take it as an omen 

and wait for her. –

Dawn is near, 

it's already strewing its roses ...

Farewell, fair maiden!



(engl. Trad/ Caspar Othmayer, C.Brentano & A.v.Arnim)




 >> CD "Hüt dich, schöns Blümelein!"





In den gängigen Liederbücher erscheint das Lied meist gekürzt. In Clemens Brentanos & Achim von Arnims Volkslied-Textesammlung "Des Knaben Wunderhorn" (1806/ 08) hat es fünf Strophen, und nur so wird die Geschichte zwischen den Zeilen nachvollziehbar. (Die Fassung oben habe ich mir zurechtgesungen. Das "Wunderhorn"-Original kann man online im Spiegel-Gutenberg-Projekt lesen.)

Im Volkslied-Revival der Wandervogel-Bewegung unterlegte 1912 Max Pohl dem "Wunderhorn"-Text eine Courante aus Ernst Scheeles Lautenbuch (1619), ursprünglich ein englisches Tanzlied mit dem Titel "Sellingers Round". Eine Variante des Textes erschien schon 1549 in Georg Forsters Sammlung "Frische teutsche Liedlein" – inklusive einer anderen (für vierstimmigen Chor gesetzten) Melodie. Als Texter (oder Bearbeiter?) wird dort Caspar Othmayr angegeben.
Eine weitere, ähnliche Fassung wurde um 1550 in Nürnberg gedruckt:

Wie schön blüht uns der Maie,

der Winter fährt dahin,

mir ist ein feins brauns Maidelein

gefallen in meinen Sinn.

Darumb ist meinem jungen Herzen wohl,

wann ich an sie gedenke,

mein Herz ist Freuden voll.

Wann ich des Nachts will schlafen,

so kommt mir mein feines Lieb vor,

und wenn ich nun erwache,

so ist es alles nichts.

Dann hebt sich an ein große Klag,

wann ich von ihr muss scheiden,

das macht mich alt und grau.

Zwei Blümlein auf grüner Heiden,

die heißen Wohlgemut,

lässt uns der liebe Gott wachsen,

seind uns trauren gut.

Vergissnichtmein steht auch darbei,

grüß mir sie Gott im Herzen,

die mir die Liebste sei.

Wollt Gott, ich sollt ihr wünschen

zwo Rosen auf einem Zweig,

ach Gott, möcht ich sie wecken

mit meinem stolzen Leib.

Das wär meinem Herzen ein große Freud,

tu mich Herzlieb nur trösten,

mit meinem freundelichen Bescheid.


Text und Melodie wurden wiederveröffentlicht bei Hermann Strobach (Hg.): "Droben auf jenem Berge - Dt. Volkslieder", Rostock 1984.




There are usually only three stanzas (1, 3 and 5) printed in the current song books, but in Clemens Brentano's & Achim von Arnim's folk song lyric collection "Des Knaben Wunderhorn" (1806/ 08), I found two more: Only with them included, the story between the lines becomes clear. 

In 1912, during the folk song revival of the German Wandervogel movement, Max Pohl put a tune to the text, using the (lute version from Ernst Scheele's lute book, 1619 of the) English dance tune "Sellingers Round"

A lyric variant was already published in Georg Forster's collection "Frische teutsche Liedlein" (1549), including a different melody, set for a choir of four voices. Caspar Othmayr is quoted as lyricist (or arranger?).

The lyric version within the German comment was printed around 1550 in Nuremberg. It was re-issued with the old tune by Hermann Strobach (Hg.): "Droben auf jenem Berge - Dt. Volkslieder", Rostock 1984.



                                           




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