Phantomzeit



Mag es uns auch nicht behagen:

Irgendwann, in fernen Jahren

werden junge Menschen fragen,

wer wohl ihre Ahnen waren:

Wie wir sprachen, wie wir dachten,

wie wir abseits großer Schlachten

wohl die Lebenszeit verbrachten,

weshalb wir ihnen nichts vermachten

außer Plastikapparaten –

Was wir wohl mit denen taten,

können Forscher nur noch raten:

Längst verblasst sind all die Daten,

die wir durch Glasfaserkabel

um die Welt gesendet haben.

Doch erweist, wonach sie graben,

sich als stets irreparabel.

Was unsre Vorfahren erschufen,

das Werk, zu welchem sie berufen

war'n, lässt halbwegs sich erschließen

aus all dem, was sie hinterließen.

Bis hin zu Rom, Athen, Ägypten:

Es zeugt ein Reichtum an Relikten

von den Hochkultur'n, den alten –

aus unsrer Zeit ist nichts erhalten,

bis auf die seltsamen Geräte

im bunten Schutt verlass'ner Städte:

Doch geben selbst die Professoren

all die Kenntnisse verloren,

die uns auf Platten und Platinen

zahlloser Rechenmaschinen

auf ewig sicher erschienen:

Keine Spur mehr von ihnen!

Und speichern wir auch heute Massen

und senden gigabreit Gedanken,

die wir lückenlos erfassen

in digitalen Datenbanken –

Lass zwei Jahrhunderte verrinnen:

Man wird, erscheint dies auch verwegen,

aus purem Mangel an Belegen

sich unsereiner nicht entsinnen.

Und nochmals zwei-, dreitausend Lenze,

sofern die Menschheit so lang währt –

wird unsre Ära dann in Gänze

zur Phantomzeit erklärt?

Ein kalendarischer Verzähler,

nur ein rechnerischer Fehler?

Tröstlich ist: Wen man vergisst,

der wird auch nicht vermisst.





(Holger Saarmann)

© by Holger Saarmann, April 2017



Phantomzeit



Mag es uns auch nicht behagen:

Irgendwann, in fernen Jahren

werden junge Menschen fragen,

wer wohl ihre Ahnen waren:

Wie wir sprachen, wie wir dachten,

wie wir abseits großer Schlachten

wohl die Lebenszeit verbrachten,

weshalb wir ihnen nichts vermachten

außer Plastikapparaten –

Was wir wohl mit denen taten,

können Forscher nur noch raten:

Längst verblasst sind all die Daten,

die wir durch Glasfaserkabel

um die Welt gesendet haben.

Doch erweist, wonach sie graben,

sich als stets irreparabel.

Was unsre Vorfahren erschufen,

das Werk, zu welchem sie berufen

war'n, lässt halbwegs sich erschließen

aus all dem, was sie hinterließen.

Bis hin zu Rom, Athen, Ägypten:

Es zeugt ein Reichtum an Relikten

von den Hochkultur'n, den alten –

aus unsrer Zeit ist nichts erhalten,

bis auf die seltsamen Geräte

im bunten Schutt verlass'ner Städte:

Doch geben selbst die Professoren

all die Kenntnisse verloren,

die uns auf Platten und Platinen

zahlloser Rechenmaschinen

auf ewig sicher erschienen:

Keine Spur mehr von ihnen!

Und speichern wir auch heute Massen

und senden gigabreit Gedanken,

die wir lückenlos erfassen

in digitalen Datenbanken –

Lass zwei Jahrhunderte verrinnen:

Man wird, erscheint dies auch verwegen,

aus purem Mangel an Belegen

sich unsereiner nicht entsinnen.

Und nochmals zwei-, dreitausend Lenze,

sofern die Menschheit so lang währt –

wird unsre Ära dann in Gänze

zur Phantomzeit erklärt?

Ein kalendarischer Verzähler,

nur ein rechnerischer Fehler?

Tröstlich ist: Wen man vergisst,

der wird auch nicht vermisst.





(Holger Saarmann)

© by Holger Saarmann, April 2017








Idee zum 1. Refrain um 2010. Schlussrefrain auf Burg Waldeck, Sept. 2013.
Strophen & Umformung zum Strophenlied Anfang Juni 2014, nach SagoGrande.
Melodie eigentlich skizziert 2003 mit den Worten "Ich will ein Pferd sein".










                                           




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