Schon mal   



Vor ungeheuren Zeiten
in weit entfernten Breiten,
die keiner von uns sah,
von denen nur die Sage
und Mutmaßungen vage
verkünden, was geschah,

da waren wir, entsinne dich,
schon mal auf Erden, du und ich,
in einem andern Dasein.
Wir war'n von kleinerer Gestalt
und wollten doch mit Urgewalt
und Lust einander nah sein.

Weißt du noch unsre Namen,
Was wir war'n, woher wir kamen?
War ich König? Hirte? Dieb?
Ob und welchem Gott ich glaubte,
ob ich dich freite oder raubte,
Ein Gefühl von damals blieb.

Und damals schon, da war mir klar,
daß dies Gefühl zu zeitlos war,
für ein begrenztes Leben.
Es gleicht dem Lied, das, wenn man's singt,
aus früh'ren Erdzeitaltern klingt,
als währten sie soeben:

Die Ströme füllten Schluchten.
Das Meer grub tiefe Buchten,
und Asche hat's geschneit.
Die Küsten lagen näher;
der Kontinent Pangäa
war gerade frisch entzweit.

Und du und ich, was waren wir?
Mensch ging noch nicht; womöglich Tier,
vielleicht nur stumme Pflanzen
von lange ausgestorb'ner Art?
Oder waren wir, gepaart,
zwei Zellen eines Ganzen?

Nach all den Existenzen,
die wir uns schon ergänzen,
entscheide mit Bedacht:
Du brauchst nicht dieses Leben
aufs neue mir zu geben –
Nur schenk mir diese Nacht!




(Holger Saarmann)

© by Holger Saarmann, Juli 2011



Before



Tremendous times ago
in some far away place
that none of us has seen,
that only legends
and conjectures vaguely
tell us about,

remember, that's when we,
you and me, were on earth before,
in some earlier existence.
We had a smaller shape,
yet, with elemental force and lust,
we longed to be near each other.

Do you still know our names,
what we've been, where we were from?
Was I a king? A shepherd? A thief?
If
and in which god I believed,
if I courted you or robbed you,
some former feeling remained.

And even then, I was certain
that this feeling was too timeless
for one limited life.
It resembles the song which, if being sung,
sounds from earlier geological eras
as if they were present:

Then, the streams filled gorges.
The sea dug extensive bays,
and ashes snowed down.
Coasts were closer;
the continent Pangaea
had just recently been torn.

And you and me, what have we been?
No humans yet; possibly animals,
maybe just silent plants
of a long gone species?
Or were we, coupled,
two cells of a whole?

After all those existences
that we complement each other,
please decide with care:
You don't need to give this life
to me anew

Just favour me with this night!





(Holger Saarmann)

© by Holger Saarmann, July 2011

 




Geschrieben im Juli 2011 in der Liederwerkstatt Hohenbüssow.
Die Demo-Aufnahme entstand spontan am 10. August 2011 bei einer Probe im Kulm Hotel, Arosa (Schweiz) mit Markus Heiniger am Klavier.

Kuriosität am Rande: 
Bibelfeste Christen haben mich darauf hingewiesen, daß die "Entzweiung" des Urkontinents Pangäa auch im Alten Testament erwähnt wird.

Im 1. Moses 10, 25, quasi zwischen Sintflut und Turmbau von Babel, heißt es: "Eber wurden zwei Söhne geboren. Einer hieß Peleg, weil zu seiner Zeit die Erde zerteilt wurde."

Aufgrund biblischer Zeitangaben glauben diese Menschen allerdings auch, daß die Erde erst ca. 6000 Jahre alt ist und in sechs Tagen erschaffen wurde.

Immerhin reizt doch die Vorstellung, es habe Menschen gegeben, die die Teilung von Pangäa mit ansehen durften.




Written in July 2011 at a songwriting workshop at Hohenbüssow.
The demo recording was done spontaneously on August 10, 2011, rehearsing at the Kulm Hotel, Arosa (Switzerland), featuring Markus Heiniger on piano.



                                           




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