Willkommen im historischen Archiv.

Hier dokumentiere ich meine bisherige Wegstrecke als Musiker auf der Bühne:

* Shalom-Musik I

* Shalom-Musik II

* Aus Schubläden und Wühlkisten

* Fremdwärts wider Willen
* Hüt dich, schöns Blümelein!
* Asphaltbarden


Alle hier aufgeführten Liederprogramme werden (wahrscheinlich) nicht mehr gespielt, aber ihr musikalischer Einfluss ist noch heute hörbar.

Teils kann man das ganz konkret einzelnen Titeln der Setlists entnehmen.






Shalom-Musik I


Jiddische Chansons und Geschichten



Ute Rüppel  (Gesang)

Rüdiger Schwab  (Akkordeon) 

Holger Saarmann  (Gitarre, Gesang, Arrangements)



Die Première war am 7. April 1995 in der "Black Box" 

der Tafelhalle Nürnberg.



"Unser Vorhaben, einen Abend des "Jiddischen Liedes" zu gestalten, wurde von Anfang an kritisch hinterfragt - nicht nur von uns selbst.

Eine Kulturform, die - wie die Menschen, die sie geschaffen haben - ausgemerzt wurde, kann von uns deutschen "Nachgeborenen" bestenfalls nach-geschaffen, vielleicht auch nur beschworen werden. Von vornherein war uns klar, daß der Abend für uns, wie für die Zuhörer, auch ein hartes Stück Trauerarbeit sein würde. Schon die Vorbereitung schmerzte, denn die Zusammenstellung des  Programms wurde zu einer Art Spurensuche, führte über Zeitschriften und (Musik-)Literatur und blieb somit weitgehend theoretisch. Irgendwann standen wir in einem Haufen von Papier und es war uns zum Heulen... Es scheint, die "Gnade der späten Geburt" gibt es nicht. (...)"


(Diesen Text fürs Programm-Faltblatt verfasste der Bamberger Schauspieler und Regisseur Jan Burdinski, der das Programm mit szenischen und dramaturgischen Ideen bereicherte.)




 



 

 




Das war unsere Setliste für Shalom-Musik I:


Hobn mir a nigundl   (Trad)

Dos kelbl   (Jizchak Katzenelson)

Ss brent, brider, ss brent   (Mordechaj Gebirtig)

Oj dortn, dortn   (Trad)

Ojfn pripetschik   (Mark Warschawski)

Nigun   (Simon Cohen)

Aj-lju-lju   (Trad)

Kinderjorn   (Mordechaj Gebirtig)

Di grine kusine   (Trad)

Dem milners trern   (Mark Warschawski)

Schtil, di nacht is ojsgeschternt   (Hirsch Glik)

Lomir sich iberbetn   (Trad)

Rebe Elimelech   (Trad)

Sha! Shtil! (Un as der rebbe tanzt)   (Trad)




Dazwischen gab es Lyrisches, Prosaisches, Biographisches und Sachliches von Klabund, Leo Strauss, Jean Améry, Erich Kästner, George Tabori, André Kaminski, Kurt Tucholsky, Mascha Kaleko und Yehudi Menuhin.

 





Shalom-Musik II



Ute Rüppel  (Gesang)

Jürgen Vogel  (Geige)

Juri Kravets  (Akkordeon) 

Holger Saarmann  (Gitarre, Gesang)



Premiere war am 6. August 1998 

im Fränkische Schweiz-Museum Tüchersfeld




Setliste für Shalom-Musik II:

 

Hej, klesmorim   (Mordechaj Gebirtig)

Papirossn   (Trad)

Ss brent, brider, ss brent   (Mordechaj Gebirtig)

Sog nit kejnmol   (Hirsch Glik) 

Wuse wilstu far a man?   (Trad)

Du sollst nit gehn mit kajn andere mejdelach   (Trad)

Margeritkelech   (Trad/ Zalman Shneour)

Rejsele   (Mordechaj Gebirtig)

Ich hob dich lib   (Mordechaj Gebirtig)

Oj dortn, dortn   (Trad)

Hava nagila   (Trad)

O' Banions   (Trad)

Schlof schojn majn kind   (Mordechaj Gebirtig)

Papir is doch wajss   (Trad)

Sha! Shtil! (Un as der rebbe tanzt)  (Trad)

Majn jowl   (Mordechaj Gebirtig)

Weder noch   (Georg Kreisler)

Alte Tränen   (Georg Kreisler)

Sunrise, Sunset   (Jerry Bock/ Sheldon Harnick)

Di grine kusine   (Trad)


„Das hervorragende Ensemble um die Sängerin und Schauspielerin Ute Rüppel gibt sich dabei alle Mühe, nicht nur den Terror der Vergangenheit sichtbar zu machen; die Chansons und Geschichten sollen auch das jüdische Lebensgefühl, die Freuden und Leiden des Alltags dem Zuhörer nahebringen. (...)

So geht die Band insgesamt sehr liebevoll und engagiert mit ihrem Thema um. Politisch möchte man sich keine Etiketten verpassen lassen, aber die Frage, ob man sich heute als antifaschistisch verstehe, wird eindeutig bejaht. „Wir sind Freunde der jüdischen Kultur“, egänzt Holger Saarmann. Schön, wenn man solche Freunde hat.“

(Fürther Nachrichten, 25. November 1998)

 

 

 




" (...) Mehr als drei Jahre sind vergangen, seit "Shalom-Musik" aus der Taufe gehoben wurde. Zeit für einen Programmwechsel - dachten wir uns, zumal es unseren Akkordeonisten Rüdiger Schwab in ferne Städte zog.

Mit unserem neuen Mann, dem Geiger Jürgen Vogel, nähern wir uns nun ein wenig dem Sound authentischer Volksmusik der osteuropäischen Juden, ohne es aber auf einen Vergleich anzulegen: "Shalom-Musik", das sind osteuropäische Weisen mit jiddischen Texten, gesungen und musiziert von Menschen, die ihre mitteleuropäische Herkunft nicht verleugnen wollen, auch nicht, wenn sie sich an der jiddischen Sprache versuchen, die zwar der unseren eng verwandt, aber doch fremd ist.

Seit zwei Jahrzehnten ist Ute Rüppel auf den Spuren der jiddischen Liedwelt. Auf ihren Konzertreisen, die sie immer wieder auch nach Polen führten, hatte sie vielfach Gelegenheit, sich in staubigen Antiquariaten eine umfangreiche Bibliothek des jiddischen Liedes zusammenzusuchen. Im Gedenkjahr 1995 schien dann der geeignete Moment gekommen, ihrer Herzenssache nach außen zu tragen.

Doch das Ende eines offiziell verordneten Gedenkjahres bedeutet nicht das Ende einer alten Liebe: Die Lieder der Menschen zu singen, die von deutschen Faschisten millionenfach ermordet wurden, das ist mehr als ein verzweifelter, zu später Akt des Widerstandes ihrer Nachkommen. Und so ist es uns gelungen, für das neue Programm, das wir heute für Sie spielen, weitere Perlen zutage zu befördern: Alte Volkslieder und neuere Chansons, Lyrik, Prosa und Anekdoten, nicht nur in jiddischer Sprache, diesem drolligen Gemisch aus Sowas-Wie-Deutsch, Slawisch und Hebräisch. (...)


Die Geschichte des jiddischen Liedes ist zugleich die des jüdischen Ghettos und umfaßt den Zeitraum vom Spätmittelalter bis in die Mitte unseres Jahrhunderts. Dieser traurige Hintergrund, Thema einiger der schönsten Lieder, gab unserem Plan, das Programm im neuen Jahr zugunsten folkloristischer Fröhlichkeit umzugestalten, wenig Raum. Der nationalsozialistische Völkermord - Folge deutscher Abgrenzungsmentalität und Ausgrenzungspolitik, die mit dem "Dritten Reich" ebenso wenig begannen wie endeten - läßt sich auch nach Beendigung des Gedenkjahres 1995 nicht verdrängen. Auch nicht mit fröhlichen Liedern. (...)


(Holger Saarmann, fürs Programm-Faltblatt 1998)



Ute Rüppel, die Mutter des Projektes "Shalom-Musik", hat im Juni 2004 mit der Pianistin Dorota Beres ein weiteres Shalom-Programm aus der Taufe gehoben, Untertitel: "Auf diversen Breitengraden". Mehr dazu hier, auf ihrer Website.

Juri Kravets starb am 25. Dezember 2012.




Foto: Hans-Peter Weigel







Aus Schubläden und Wühlkisten



Holger Saarmann, erstmals solo

am 25. März 1999 im Haus der Stadtkirche, Nürnberg



Dieser einmalige Konzertabend war zwar ein reines Cover-Programm, zeigt aber recht gut, wo ich musikalisch herkomme.

Durch die Darbietung der klassischen Gitarrenstücke wurde ich von meinem Nürnberger Publikum inoffiziell zu meiner Bamberger Uni-Examensprüfung zugelassen.


Auf einem Handzettel formulierte ich mein musikalisches Anliegen so:

"Mein musikalisches Zuhause ähnelt einem dieser urigen englischen Dorf-Krämerläden, die bis unter die Decke vollgestopft sind mit allen erdenklichen Waren. Angenommen, ein solcher Laden hat ein kleines Schaufenster, dann wird der Krämer eine repräsentative Auswahl aus seinem Sortiment treffen, um diese Fläche zu dekorieren: Er wird etwas aus dieser, etwas aus jener Schublade herausnehmen, mit Hilfe seiner Trittleiter auch von den obersten Regalbrettern Dinge zutage fördern, von denen niemand angenommen hätte, daß es sie hier gibt.

Da so ein Schaufenster für einen Transport zu sperrig ist, habe ich eine Schublade aus meinem musikalischen Krämerladen leergeräumt und zur Wühlkiste umfunktioniert.


In Wühlkisten kommt in der Regel Zeugs, von dem der Krämer annimmt, daß es keiner gebrauchen kann. Wer aber gelegentlich - wie ich - auf Trödelmärkten und in Antiquariaten nach Schnäppchen jagt, weiß, daß solche Wühlkisten manchmal wahre Schatzkisten sein können.

In meinem musikalischen Krämerladen gibt es alte und neue Folksongs unterschiedlicher Herkunft: Britische Inseln, Frankreich, Osteuropa (jiddisch), USA und nicht zuletzt Deutschland. Bekannte und unbekannte "Traditionals", aber auch Musik der anglo-amerikanischen Songwriter-Szene der jüngeren Vergangenheit (Jim Croce, Gordon Lightfoot, Billy Joel, Burt Bacharach, ...). Zwischendurch sorgen akustisch arrangierte Songs aus der Schublade "Rock und Pop" für Überraschungen. Darüber hinaus trägt ein breites Repertoire an Renaissanceliedern (John Dowland, Thomas Campion, ...) zur Vielseitigkeit des Angebotes bei, nicht zu vergessen die Sonderposten an "klassischen" Kompositionen. 

(...)




Meine Setlist:

Here comes the Sun   (George Harrison, arr. Klaus Rudolph)

My singing Bird   (Irish Trad)

The foggy Dew   (Irish Trad)

Reiterlied   (Justus W. Lyra/ Georg Herwegh)

Ich hab die Nacht geträumet   (Trad)

Der Baum des Lebens   (Peter Schirmann/ Rolf Zuckowski)

Fantasia I   (Alonso Mudarra, Sevilla 1546)

Willow Song   (Trad/ William Shakespeare)

Flow my Tears   (John Dowland)

Prélude aus der Suite Nr. 1 für Cello   (J.S.Bach, arr. Sonja Prunnbauer)

Willst du dein Herz mir schenken   (J.S.Bach, arr. Erwin Schaller)

Die Macht der Gewohnheit   (Mikis Theodorakis/ dt. T.Woitkewitsch)

Affair on 8th Avenue   (Gordon Lightfoot)

Photographs and Memories   (Jim Croce)

Meet me on the Corner   (Rod Clements// Lindisfarne)

Main Street   (Bob Seger)

Honey Pie   (Paul McCartney)

16 Tons   (Merle Travis? George Davis?)

Scarborough Fair   (Engl. Trad)

Graf und Magd   (Trad)

Ach Blümlein blau, verdorre nicht   (Trad)

If   (David Gates// Bread)

Come again   (John Dowland)

Wie schön blüht uns der Maien   (Trad)




 



Fremdwärts wider Willen


mit der Schauspielerin Beate Weidenhammer


am 19. März 2000 in Deinsdorf

und am 5. Januar 2002 in Bamberg





>> Zu Beate Weidenhammers Website






Von Schürzenjägern, Sensenmännern und Feinsliebchens


Premiere am 21. Januar 2001 in der Weinstube am Stefansberg, Bamberg.
Letztmals gespielt am 13. Februar 2005 im Galgenberg-Restaurant Hildesheim.


Faltblatt-Text:

Ein Programm mit deutschen Folksongs? Ganz schön riskant in einer Zeit, in der gewisse Politiker dem deutschen Neofaschismus nichts weiter entgegenzusetzen haben als die Proklamation einer "deutschen Leitkultur". Zeit, sich wieder einmal ins Gedächtnis zu rufen, was deutsche Kultur ist:

Dein Christus ein Jude
Dein Auto ein Japaner 
Deine Pizza italienisch
Deine Demokratie griechisch
Dein Kaffee brasilianisch
Dein Urlaub türkisch
Deine Zahlen arabisch
Deine Schrift lateinisch
Und Dein Nachbar nur ein Ausländer?


"Deutsche Leitkultur" ... Bedeutet das - so frage ich als Musiker - die Einführung einer Deutsch-Quote, wie sie Mitte der Neunziger für die Musikberieselung in Radio und TV diskutiert wurde, oder wie sie von Richard Strauss für deutsche Konzert- und Opernbühnen in der Reichsmusikkammer des Nazi-Regimes durchgesetzt wurde? Werde ich demnächst als Musiker ein Vorrecht genießen, wenn ich auf deutsch musiziere, oder reicht es hierzu, wenn ich "deutschen Blutes" bin?
Ein solches Vorrecht müsste ich ausschlagen: Ich kann mein Deutschfolk-Programm nur so lange guten Gewissens zu Gehör bringen, wie nebenan Samba, gegenüber Klezmer und zwei Straßen weiter Irishfolk gespielt wird. Nach jiddischen und internationalen Folk- und Chansonprogrammen ist dies nur ein - muttersprachlicher - Beitrag zum kulturellen Pluralismus in diesem Lande. Ästhetische, nicht patriotische Empfindungen waren der Auslöser, und vielleicht ein wenig die rein logische Überlegung, daß es ohne "national" kein "international" geben kann.
Unser Problem ist nicht die Multi- oder Mischkultur, sondern die profillose Einheitskultur, das beschränkte Verständnis des Begriffs "international", der - getreu der Vertriebskonzepte internationaler Großkonzerne - zumindest in der Rundfunksparte "Pop" schon immer nur "englischsprachig" bedeutet hat. Nicht erst seit ich zum Folkfest nach Rudolstadt pilgere, empfinde ich die Diktatur des Einerleis, wie sie in den Musikprogrammen der allermeisten deutschen Radiostationen herrscht, als Verrat an der musikalischen Vielfalt.


"Volksmusik" und "Volkslied" sind Begriffe, die in Deutschland bis zur Entstellung vergewaltigt wurden. Dem Fernsehzuschauer wird unter diesen Etiketten Schlagermusik der übelsten Machart präsentiert: Trachtenpuppen mit hochgezerrten Mundwinkeln säuseln Dümmlichkeiten zur zünftigen Synthesizerkapelle. Nicht nur einfältige Deutsche, auch ahnungslose Ausländer halten das für deutsche Volksmusik.

Irland-Reisende beispielsweise wissen es besser: Volksmusik bedeutet Selbermachen, bedeutet Mitmusizieren in geselliger Runde, bedeutet, mit "Star of the County Down" und "Carrickfergus" und all den anderen Liedern aufgewachsen zu sein. Das fehlt uns Deutschen; auch wir haben ein Bedürfnis nach lebendiger, nicht unbedingt inländischer Volksmusik, und da wir meist kein "traditionelles" Repertoire haben wie die Iren, weichen wir auf Songs wie "Take me home, country roads" oder "Über den Wolken" aus. Doch diese (und ein paar andere) Lieder nerven entsetzlich, spätestens dann, wenn man sie zum hundertsten Mal zur Klampfe anstimmen soll, weil die anderen Partygäste nichts anderes auswendig singen können.
Manchmal rebelliere ich: Dann singe ich etwas völlig Unbekanntes, etwa auf französisch oder jiddisch, oder eben auch ein altes Lied in deutscher Sprache. Zu meiner eigenen Überraschung genieße ich damit meist die volle Aufmerksamkeit; plötzlich scheint ein frischer Luftzug durch den Fetenmief zu wehen. Einer murmelt was von Minnesang und Mittelalter, ein anderer fragt, was das war und will mehr davon, und eine dritte ist zu Tränen gerührt.

Vielleicht beschwört der alte Sprachduktus der Liedtexte Erinnerungen an die Zeit, als uns unsere Eltern und Großeltern noch Märchen vorlasen oder sogar Schlaflieder sangen. Vielleicht gibt es ein menschliches Urbedürfnis nach dem "Es war einmal". Nicht weil man gern früher gelebt hätte, sondern weil man spürt, daß das Früher zum Heute gehört, wie die Mutter zum Kind, wie die Quellen zum Fluß.
Folksongs Singen bedeutet für mich weder, aus der unbewältigten Gegenwart in ein verklärtes Mittelalter flüchten zu wollen, noch den biedermeierlichen Rückzug ins Private, bedeutet erst recht nicht, selber zu meinen, was man da singt. So kann es sein, daß das inhaltlich-ideell gottseidank überholte Lied vom barfußgehenden Feinsliebchen heute distanzierter und weniger romantisch klingt als zur Zeit des Volksliedsammlers Zuccalmaglio (dem die uns überlieferte Gestalt dieses Liedes zu verdanken ist), aber unterschätzen wir jene Epoche nicht: Die Ironie ist keine Erfindung der Postmoderne.



Plakatentwurf von Nicola Killmann 
(nur für die ersten zwei Konzerte genutzt)


Wer die Lieder in meinem Programm wann, wo und für welchen Anlass geschrieben und zum ersten Mal gesungen hat, ist oft nicht bekannt. Möglich, daß manche Texte, manche Melodien schon im Mittelalter in Umlauf waren oder aus anderen Ländern importiert wurden. Es war - und ist ja noch immer - üblich, auf bekannte Melodien neue Texte zu schreiben. Ebenso wurden Liedtexte, deren Melodien verschollen waren (weil die Volksliedsammlern des 19. Jahrhunderts oft in Wahrheit nur die Texte sammelten), neu vertont oder mit fremden Melodien unterlegt. So verfuhr beispielsweise 1912 Max Pohl mit dem Text "Wie schön blüht uns der Maien" (zu finden in der Liedtexte-Sammlung "Des Knaben Wunderhorn" von Clemens Brentano und Achim von Arnim): Eine Courante aus Ernst Scheeles Lautenbuch (von 1619), die wiederum dem englischen Renaissance-Tanzlied "Sellingers Round" folgt, mußte diesem Text von nun an als Melodie herhalten.

Was die musikalische Interpretation von Folksongs angeht, so halte ich betonte Einfachheit nicht unbedingt für authentisch, wenn einem gewisse technische Fähigkeiten zur Verfügung stehen, die man durch die Beschäftigung mit anderen musikalischen Genres erworben hat. Ich mag Renaissance-Musik, ebenso wie Folk, Rock, Pop oder auch romantische Klassik. Wer genau hinlauscht, kann in meinen Arrangements mal diesen, mal jenen Einfluß hören. Und wer die Lieder bereits kennt, wird sicher hier und da kleine Veränderungen in Melodie oder Text bemerken, die ich vornahm, um sie singbarer oder verständlicher zu machen.

Vielleicht kann ich mit meinem Programm ein wenig zur Erweiterung Ihrer Liedrepertoires beitragen, vielleicht sogar Ihre Lust wecken, selber nach derlei Liedern zu suchen, sei es in Kindheitserinnerungen oder Liederbüchern, auf Hannes Wader-, Liederjan-, oder Zupfgeigenhansel-Platten. Vielleicht gelingt es uns sogar gemeinsam, die Begriffe "Volkslied" und "Volksmusik" zurückzuerobern.


Auch ein Programm, das ohne großen technischen Aufwand auskommt, bringt man nicht allein auf die Bühne. Es würde zu weit führen, hier dankend all jene Freunde und Bekannten zu nennen, die mich durch ihren Zuspruch ermuntert haben, weiterzumachen. Ausdrücklich danken möchte ich an dieser Stelle aber Martin Wortmann für die Fotos und Nicola Killmann für ihr liebevoll gezeichnetes Plakat!

Holger Saarmann, Bamberg im Januar 2001


Anmerkung 2014: Mein damaliges Live-Repertoire entsprach in etwa meiner ersten CD "Hüt dich, schöns Blümelein".








Es ist Jahre her, daß ich gemeinsam mit befreundeten Kollegen unter dem Namen/ Titel "Asphaltbarden" auftrat. 

Heute wäre ich noch immer für so ein Projekt zu haben, auch wenn die Erfahrung lehrt, daß mehrere Liedermacher gemeinsam nicht unbedingt ein Mehrfaches an Publikum anziehen.

Um Nostalgie zu vermeiden, würde ich wahrscheinlich auch nicht mehr diesen Namen/ Titel wählen.

Eigentlich gab es die (zumal wechselnden) "Asphaltbarden" nur 2004. 

Zeit, sie – 2011 ins Archiv zu verbannen!





... das sind drei oder vier Berliner Liederpoeten, die es leid sind, allein vor leeren Stuhlreihen zu musizieren, während die Publikumsmassen in die Thermen deutscher Behäbigkeit strömen, um den Heldenbarden der 70er zu lauschen.

Wir wollen das verlogenen Klagelied übertönen, der deutschen Liedermacherzunft fehle es an Nachwuchs.

Wir singen das "Über den Wolken" von morgen! Wir dichten diesem seltsamen Volk neue Lieder! 

Meist singen wir in unseren Muttersprachen, weil uns Musik und Lyrik gleich wichtig sind.

Wir singen für Menschen, die zuhören wollen! Weghören ist anderswo!

In unseren Konzerten musizieren wir sowohl reihum als auch gemeinsam.

Mal baden wir in vielstimmigem Wohlklang, mal lauschen wir einer einzelnen Stimme.

Wir experimentieren, zitieren und fusionieren ohne Rücksicht auf vermeintliche Grenzverläufe zwischen den Genres.


"Die Asphaltbarden" waren:

Claudia Gorr, Martin Talir, Fritz Wiehe & Holger Saarmann  (April 2004)
Tom Duerner, Fritz Wiehe & Holger Saarmann  (Oktober 2004)

Reinhild Kuhn, Tom Duerner & Holger Saarmann  (November/ Dezember 2004)



Asphaltbarde werden kann übrigens jeder, der eigene Lieder singt, nicht (nur) allein auftreten will und sich mit unserem Konzept anfreunden kann:




Originalplakate 2004



"Asphaltbarden" - das Projekt und sein Konzept


Die "Asphaltbarden" wurden im März 2004 in Berlin als plakattauglicher Titel für ein gemeinsames Konzertprojekt erfunden. 

Holger Saarmann war der Namensgeber.

Unter der Mitwirkung von Tom Duerner und Fritz Wiehe wurde aus dem Titel ein Konzept:

"Asphaltbarden" sind in der Regel drei oder vier Solisten mit Lust am Gemeinsamen, die als loses Ensemble ein Konzertprogramm planen, organisieren und musizieren.

Vom Solobeitrag bis zum Quartett ist alles drin, in bunter personaler Abfolge, die von inhaltlichen und dramaturgischen Kriterien bestimmt wird.

So sind die "Asphaltbarden" stets mehr als die Summe der Beteiligten, egal in welcher Besetzung sie den Abend bestreiten. Manche Besetzung wird sicherlich mehr als einen Abend überdauern, denn es wäre bisweilen schade, so viel Liebe und Mühe in einen One-Night-Stand zu stecken!

Egal unter welchem Etikett – Liedermacher, Singer/Songwriter, Chansonpoet, etc. – und mit welchem Instrument die einzelnen Beteiligten unterwegs sind, aus der Gemeinsamkeit werden immer wieder interessante und abwechslungsreiche Konzertprogramme ohne stilistische Eingrenzung entstehen.

"Asphaltbarden" ist ein Markenzeichen für handgemachte Musik zum Zuhören. Um den schleichenden Einzug des allgegenwärtigen Einerleis – und damit das intellektuelle Wegschlummern unseres Publikums – zu verhindern, hat sich der Stamm auf zwei Richtlinien geeinigt:

* Mindestens drei Viertel der am Abend gespielten Lieder müssen eigene Werke der Vortragenden sein.

* Mindestens die Hälfte der am Abend gespielten Lieder sollte deutsche Texte haben.


Die "Asphaltbarden" sind ein heimatloses Tingel-Unternehmen und auf möglichst zahlreiche geeignete Räumlichkeiten in und um Berlin angewiesen.

Langfristig wollen wir einen Ort finden, an dem sich die Konzertreihe "Asphaltbarden" zuhause fühlen darf. Das Tingeln werden wir trotzdem nicht lassen.









                                      




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